Klein Villip

Historisches zu Klein-Villip und seiner alten Kapelle

von Dr. Hans Böhm

Der Ursprung des Weilers „Klein-Villip“ befand sich am Arzdorfer Bach, ein wehrhaft umbauter und befestigter Einzelhof, der „Klein-Villiper Hof“ mit der sogenannten Trutzenburg, die von den Rittern von Dadenberg gegründet wurde. Bevor der Hof 1544 von der Familie v. d. Leyen erworben wurde, war er abgabepflichtig an St. Gereon in Niederbachem („Zehndnerhof“). Eine Legende erzählt, dass die heilige Lüfthildis in jenem Klein-Villiper Hof Karl dem Großen von einer schweren Krankheit geheilt haben soll. Warum kam Karl der Große wohl in unsere Nähe? Ganz einfach, die alte Krönungsstraße Frankfurt – Aachen lag in unmittelbarer Nähe.

Zu unserer Kapelle: Leider kennen wir den Stifter und die exakte Jahreszahl der Erbauung des kleinen barocken Fachwerkkapellchens (noch?) nicht. Das Haus der Familie Karaszewski in Klein-Villip datiert aus dem Jahre 1667 – es ist zu vermuten, dass die Kapelle in dieser Zeit erbaut worden ist. Wir wissen, dass der „Klein-Villiper Dom“, wie er liebevoll auch genannt wurde, 1973 einfach „niedergelegt“ wurde, weil sich damals niemand fand (weder Gemeinde noch Kirchengemeinde), die seinerzeit 32.000,- DM zu ihrer Restaurierung aufzubringen. „Ohne ihren Dom“ – so die Bonner Rundschau vom 24. 07. 1972 – „wird Klein-Villip ganz in der Landschaft untergehen“.

Wie beneiden wir die Arzdorfer, die im Pfarrarchiv Adendorf (Nr.1049) sowohl den Stifter als auch das Jahr der Errichtung ihrer ersten Kapelle erfahren können. Heinrich von Hüchelhoven, der Besitzer der Burg Adendorf, stiftete den Vorgängerbau 1398 in Arzdorf. Die jetzige Adendorfer Pfarrkirche wurde 1515 erbaut. Auch bei der Nepumuck-Kapelle („Raaf-Kapelle“) kennen wir Stifter und Jahreszahl (1744). Konkret können wir festhalten, dass die Klein-Villiper Kapelle bereits 1825 in einer Katasterkarte als geographischer Fixpunkt auf dem Grundstück „Gemeindegut von Villip“ vermerkt ist. Fest steht auch, dass sie zum Kirchspiel Adendorf, Grimmersdorfer Hof und Münchhausen gehörte (siehe „Kunstdenkmäler der Rheinprovinz“, Hrsg. Paul Clemen, Bd. 4 II “Die Kunstdenkmäler des Kreises Rheinbach“, Düsseldorf 1898).

Gehörtes – Erzählungen alter Klein-Villiper:

Mitte 1920, die Kapelle befand sich in einem erbärmlichen Zustand, begann sich ein Kunsthändler für die wunderschöne, frühbarocke Madonna „Maria Himmelskönigin“, die seit langem ihre Heimat in der kleinen Fachwerkkapelle gefunden hatte, zu interessieren. Er machte wohl auch ein Angebot zum Erwerb Die Klein-Villiper haben damals überlegt, ob sie das Angebot annehmen sollen, um die Kapelle von dem Erlös zu restaurieren. Sie haben sich aber letztlich dagegen entschieden, wurden aber „hellhörig“ und befürchteten, dass man diese wertvolle Madonna aus der nicht gesicherten Kapelle stehlen könnte. Familie Drolshagen ergriff sodann die Eigeninitiative und sicherte die Madonna. So verbrachte „Maria Himmelskönigin“ ein halbes Jahr im Schlafzimmer der Drolshagens, ehe sie mit Pferd und Wagen nach Adendorf verbracht wurde, wo sie nach der letzten Restaurierung in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts im linken Seitenaltar der Adendorfer Pfarrkirche thront. Die Klein-Villiper haben „ihre Madonna“ damals nicht „versilbert“, um ihren „Dom“ zu erhalten, sondern sie haben gesammelt und selbst gespendet, obwohl in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg und der anschließenden Weltwirtschaftskrise bei Kleinbauern nicht etwa Geld im Überfluss vorhanden war. Von Familie Drolshagen wird u.a. berichtet, dass sie ein Stück Wald verkauft haben und den Erlös von dem Wenigen, was sie dafür bekamen und hatten, für die Restaurierung der Kapelle gespendet haben. In den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie dann ausgebessert, wie es auch im Adendorfer Kirchenarchiv nachzulesen ist.

Am Ende des 2. Weltkrieges wurde das Dach der Kapelle beschädigt. Auch gab es in der Not der Nachkriegszeit keine Bürgerinitiative mehr. Die Gemeinde und die Kirchengemeinde hatten andere Sorgen, und so zerfiel die Kapelle, obwohl nach dem Kriege am Tag der „Sieben Schmerzen Maria Dolores“ jährlich am 15. September eine Prozession der Adendorfer Kirchengemeinde nach Klein-Villip stattfand, um für die Kriegsopfer zu beten. 1966 wird auf Verfügung des Kreisbauamtes die Kapelle wegen der Gefahr der öffentlichen Sicherheit verschlossen und 1973 abgerissen („niedergelegt“).

Klein-Villiper und Wachtberger Bürger haben im Jahr 2000 einen gemeinnützigen „Verein zur Wiedererrichtung der Kapelle in Klein-Villip e.V.“ mit dem Ziel gegründet, die alte Marienkapelle wieder aufzubauen. Hätten wir heute noch eine Ruine, dann wäre die Möglichkeit, öffentliche Mittel zu erhalten größer. So versuchen wir mit Spenden, Eigenmitteln und der Hilfe aller Anderen, die Kapelle im alten Stil (ca. 4 x 7 m) und am selben Ort wieder zu errichten. Bisher wurde ein Drittel der benötigten Baukosten in Höhe von ca. 60.000,- € eingeworben. Außerdem ist das Grundstück von der Gemeinde zur Verfügung gestellt und die Baugenehmigung erteilt worden. Am 9. September wird nun der Grundstein offiziell gelegt und damit Schritt für Schritt mit dem Wiederaufbau begonnen. Was ca. 300 Jahre in Klein-Villip gestanden hat, soll nicht einfach vergehen!