Hauptinhalt Geschichte des Töpferortes Adendorf

(von Ursula Perkams) 

Ton ist der elementare Rohstoff eines Töpferortes. Die mächtigen Tonlager bei Adendorf entstanden ebenso wie die Braunkohlevorkommen in der Kölner Bucht vor 20 Millionen Jahren. Schon die Bandkeramiker (ca. 4000 v.Ch.) und die Römer (100 bis 400 n.Ch.) verarbeiteten den Adendorfer Ton.

Das Dorf Adendorf

Die Dorfgründung fand in der ersten fränkischen Siedlungsperiode statt, die im 6. Jahrhundert begann. 893 wird Adendorf ebenso wie Münchhausen (Haus der Mönche) im sog. Prümer Urbar, dem Güterverzeichnis der Abtei Prüm, erstmals urkundlich erwähnt. Auch der Name des mehrmals in Urkunden genannten Fronhofes Cumbe lässt auf eine frühe Gründung Adendorfs schließen; denn „Cumbe“ ist ein keltisches Wort und hat die Bedeutung „irdenes Gefäß“ oder Bodenmulde. Es ist uns noch heute bekannt z.B. als ein „Kump“ Kaffee.

KircheDer heutige Bau der Adendorfer Pfarrkirche Sankt Margaretha stammt aus dem Jahre 1515. Entstanden als Eigenkirche des Fronhofes Cumbe, gehört die Adendorfer Kirchengründung zu einer der ältesten im Rheinland.

Die Adendorfer Burgen

Die Trutzenburg am Arzdorfer Bach bei Klein Villip und die Motte am Schäfereihof sind uns noch als Bodendenkmäler erhalten. Burg Münchhausen und Burg Adendorf, wehrhafte Wasserburgen aus Stein, erzählen noch heute die Geschichte ihrer Entstehung.

Von Burg Münchhausen, auf der sich heute eine große Reitanlage befindet, sind noch erhalten der runde Bergfried aus dem 12. und der viereckige Torturm und ein zweigeschossiger Bau aus dem 12./13. Jahrhundert.

 

Burg Adendorf

Burg Adendorf wurde Anfang des 14. Jahrhunderts als gotische Wehrburg erbaut - in der Lehensurkunde von 1337 wird sie als „Haus mit Graben und Vorburg“ beschrieben –. Von 1659 an, als die Herrschaft Adendorf reichsunmittelbar wurde, fand ihre Umgestaltung im Stil der Spätrenaissance zu einer kleinen aber feinen Residenz statt, die sie noch heute zu einem der schönsten originalen Adelssitze im Rheinland macht.

Seit 1743 Töpferort Adendorf

Die Ansiedlung einiger Töpferfamilien aus dem Westerwald in der Mitte des 18. Jahrhunderts war der Anfang des späteren Aufstiegs Adendorfs zu einem rheinischen Töpferzentrum. Die Initiative ging vom Adendorfer Burgherrn aus. Mit dem Zuzug der Töpfer aus dem Westerwald wurde nun auch in Adendorf die rheinische Steinzeugproduktion aufgenommen, die um 1200 in Frechen begann, von wenigen bekannten Familien beherrscht wurde und von Frechen über Siegburg in den Westerwald gewandert war.

(Fragment des Vertrages, den die einwandernden Töpfer am 13. Januar 1743 unterzeichnet haben)

Mit der Besetzung des linksrheinischen Gebiets durch die französischen Revolutionstruppen 1794 wurde die Herrschaft des Adels beseitigt. Aus der reichsunmittelbaren Herrschaft des Grafen von der Leyen wurde die Bürgermeisterei Adendorf gebildet, die als Amt Adendorf in Meckenheim bis 1932 Bestand hatte. Aus den Untertanen der Burg wurden zunächst französische, seit 1815 preußische Staatsbürger. Von nun an entwickelte sich die Adendorfer Töpferei unter den neuen freien marktwirtschaftlichen Bedingungen. Sie erlebte ihre höchste Blüte in der sog. Gründerzeit, die bis zum Ersten Weltkrieg andauerte.

Strasse

Der Bau der Mehlem – Essiger Landstraße, heute L123 und im Dorf Töpferstraße genannt, gab Adendorf eine neue Achse und die Möglichkeit der Ausdehnung in westliche Richtung. Das typische Ortsbild eines wohlhabenden Töpferdorfes entwickelte sich. Viele andere Gewerbetreibende ließen sich im Töpferort nieder und legten den Grund für die heutige vielfältige Gewerbestruktur. Heute gibt es im Dorf noch sechs Töpferwerkstätten sowie die Unternehmen SK Söndgen Keramik und Gescho Kaminbau.

 Landwirtschaft

Seit Jahrtausenden sind Löss und Ton die existentiellen Grundlagen der Menschen in Adendorf. Vor den Töpfern bestimmten die Bauern das Leben im Dorf. Später profitierten Töpfer und Bauern gegenseitig voneinander. Durch die Töpfer gab es vielfältige Arbeit im Dorf, oft ein gutes Zubrot für kleine bäuerliche, von der Burg abhängige Betriebe.

Heute gibt es nur noch wenige Bauern, die als reine Obstbauern modernen spezialisierten Obstanbau betreiben, vorwiegend mit Hilfe osteuropäischer Saisonarbeiter. Nur die Kemper Mühle in der Swistaue hat noch Ackerbau und Viehzucht. Die Burg Adendorf bewirtschaftet ihre großen Acker- und Forstflächen heute in Eigenregie.

Adendorf ist eingebettet in eine schöne, fruchtbare Kulturlandschaft, die von den ansässigen Bauern im Auf und Ab der Jahrhunderte nicht nur genutzt sondern auch gepflegt und gestaltet wurde. Fruchtbarkeit des Bodens, Spezialkulturen und Landschaftsschutz müssen auch zukünftig in nachhaltigem Gleichgewicht gehalten werden.